Fachbeitrag für den Fahrradhandel

Neue Kunden für den Fahrradhandel gewinnen: Worauf es wirklich ankommt

Für den Fahrradhandel neue Kunden gewinnen gehört zu den wichtigsten Herausforderungen. Die Nachfrage ist nicht immer planbar, der Wettbewerb ist groß und Kunden können Preise und Angebote heute innerhalb weniger Minuten vergleichen.

Die naheliegende Frage lautet deshalb:

Wie kann ein Fahrradhändler neue Kunden gewinnen?

Suchmaschinen-Marketing, Local SEO, Social Media, Marktplätze, eine bessere Website oder lokale Werbung können mögliche Antworten sein.

Doch bevor ein neuer Vertriebskanal ausgewählt wird, sollten einige grundsätzliche Fragen beantwortet werden.

Denn nicht jeder zusätzliche Umsatz ist automatisch profitabel. Nicht jeder Kunde passt zum eigenen Geschäft. Und nicht jeder Vertriebskanal funktioniert mit den gleichen Ressourcen.

Die bessere Frage lautet deshalb:

Welche neuen Kunden möchte ich gewinnen – und über welchen Vertriebskanal kann ich sie wirtschaftlich erreichen?

Neue Kunden gewinnen beginnt nicht mit dem nächsten Marketingkanal

Wenn die Nachfrage sinkt, suchen viele Unternehmen zunächst nach neuen Möglichkeiten, Kunden zu erreichen.

Ein Fahrradhändler eröffnet einen zusätzlichen Online-Shop, investiert in Suchmaschinen-Marketing, stärkt Social Media oder stellt Fahrräder auf weiteren Marktplätzen ein.

Das kann funktionieren.

Es kann aber auch dazu führen, dass immer mehr Zeit und Geld in zusätzliche Vertriebskanäle fließen, ohne dass sich Umsatz und Ergebnis entsprechend verbessern.

Deshalb sollte Neukundengewinnung nicht nur als Marketingaufgabe betrachtet werden.

Bevor entschieden wird, wo neue Kunden gewonnen werden sollen, sollte klar sein:

  • Welche Kunden möchte ich gewinnen?
  • Welche Produkte möchte ich verkaufen?
  • Wie unterscheide ich mich vom Wettbewerb?
  • Welchen Umsatz und welche Marge soll ein Vertriebskanal erzeugen?
  • Welche Ressourcen stehen für den zusätzlichen Vertrieb zur Verfügung?
  • Woran erkenne ich, ob ein neuer Kanal erfolgreich ist?

Erst danach stellt sich die Frage, welche konkreten Maßnahmen sinnvoll sind.

1. Kennen Sie Ihren Kunden?

Nicht jeder potenzielle Fahrradkäufer ist automatisch der richtige Kunde für jedes Fahrradgeschäft.

Ein Händler sollte zunächst wissen, welche Kunden heute bereits im Geschäft kaufen und welche Kunden zusätzlich gewonnen werden sollen.

Mögliche Zielgruppen können beispielsweise sein:

  • Pendler
  • E-Bike-Käufer
  • Familien
  • sportliche Fahrer
  • Käufer von Premium-Fahrrädern
  • preisorientierte Kunden
  • Lastenrad-Kunden
  • Kunden mit Bedarf an Beratung und Service
  • Unternehmen oder Leasingkunden

Diese Gruppen unterscheiden sich teilweise erheblich.

Ein Kunde, der ein E-Bike möglichst günstig online kaufen möchte, hat möglicherweise andere Erwartungen als jemand, der bereit ist, für Beratung, Probefahrt und langfristigen Service einen lokalen Fachhändler aufzusuchen. Worauf solche Käufer achten, beschreibt der Ratgeber E-Bike kaufen: Wie finde ich den perfekten Deal?.

Deshalb sollte ein Fahrradhändler nicht nur fragen:

Wie bekomme ich mehr Kunden?

Sondern zunächst:

Welche Kunden möchte ich eigentlich gewinnen?

Davon hängt ab, welche Vertriebskanäle sinnvoll sind.

2. Was wollen Ihre Kunden wirklich?

Wer seine Zielgruppe kennt, sollte im nächsten Schritt überlegen, warum ein Kunde überhaupt bei ihm kaufen soll.

Der Preis kann ein entscheidendes Argument sein.

Er muss es aber nicht immer sein.

Je nach Zielgruppe können andere Faktoren wichtiger sein:

  • persönliche Beratung
  • Probefahrt
  • sofortige Verfügbarkeit
  • bestimmte Marken
  • große Auswahl
  • Werkstatt und Service
  • Leasing-Kompetenz
  • Lieferung
  • individuelle Anpassung
  • Spezialisierung auf bestimmte Fahrradtypen

Die zentrale Frage lautet:

Welches Problem löse ich für meinen Kunden besser als der Wettbewerb?

Die Antwort darauf ist eng mit dem eigenen Angebot und der Positionierung verbunden.

Ein Händler, der versucht, gleichzeitig der günstigste Anbieter, der größte Spezialist und der beste lokale Servicebetrieb zu sein, wird möglicherweise Schwierigkeiten haben, ein klares Profil aufzubauen.

3. Kennen Sie Ihren Wettbewerb – lokal und überregional?

Für den klassischen Fahrradhandel war der lokale Wettbewerb lange besonders wichtig.

Welche Fahrradgeschäfte gibt es in der Umgebung?

Welche Marken führen sie?

Wie sind ihre Preise?

Welche Zielgruppen sprechen sie an?

Diese Fragen sind weiterhin relevant.

Gleichzeitig hat sich der Wettbewerb verändert.

Ein Kunde kann heute online Angebote aus einer großen Zahl von Regionen vergleichen. Besonders bei bekannten E-Bike- und Fahrradmodellen ist die Preistransparenz hoch.

Der Wettbewerb besteht deshalb nicht nur aus dem nächsten Fahrradladen.

Je nach Produkt konkurriert ein Händler auch mit:

  • überregionalen Fahrradhändlern
  • großen Online-Shops
  • Marktplätzen
  • Direktvertriebsmodellen
  • rabattierten Lagerbeständen anderer Händler

Gerade bei Produkten, die online leicht vergleichbar sind, kann der Preiswettbewerb entsprechend hoch sein.

Wenn der lokale Wettbewerb hart ist, kann der Online-Wettbewerb noch härter sein

Ein zusätzlicher Online-Vertriebskanal bedeutet nicht automatisch, dass neue Kunden leicht zu gewinnen sind.

Online können Kunden Preise, Ausstattung und Verfügbarkeit oft innerhalb kurzer Zeit vergleichen.

Das kann dazu führen, dass ein Händler plötzlich nicht mehr nur mit wenigen lokalen Wettbewerbern konkurriert, sondern mit einer großen Zahl weiterer Anbieter.

Deshalb sollte vor dem Einstieg in einen zusätzlichen Vertriebskanal überlegt werden:

Warum sollte ein Kunde mein Angebot wählen, wenn er online zahlreiche vergleichbare Angebote findet?

Eine mögliche Antwort kann der Preis sein.

Das ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit.

Auch eine klare Spezialisierung kann helfen.

Beispiele:

  • besondere E-Bike-Kategorien
  • Lastenräder
  • hochwertige Rennräder
  • bestimmte Marken
  • Beratung für bestimmte Zielgruppen
  • schnelle Verfügbarkeit
  • regionale Lieferung
  • Werkstatt- und Serviceleistungen

Nicht jeder Händler muss versuchen, im gesamten Fahrradmarkt mit allen anderen Anbietern zu konkurrieren.

Eine klar definierte Kundenklientel oder Spezialisierung kann unter Umständen sinnvoller sein.

4. Neukundengewinnung braucht einen strukturierten Prozess

Neue Kunden entstehen nicht automatisch dadurch, dass ein Unternehmen auf einem zusätzlichen Kanal sichtbar wird.

Zwischen der ersten Wahrnehmung und dem tatsächlichen Verkauf liegen mehrere Schritte.

Vereinfacht kann ein Neukundengewinnungsprozess so aussehen:

Sichtbarkeit → Interesse → Anfrage → Beratung → Angebot → Verkauf → Folgegeschäft

An jeder dieser Stellen kann ein Problem entstehen.

Ein Fahrradhändler kann beispielsweise:

  • zu wenig Sichtbarkeit haben,
  • viele Besucher auf der Website erreichen, aber wenige Anfragen erhalten,
  • viele Anfragen bekommen, die nicht zur Zielgruppe passen,
  • Angebote erstellen, aber wenige Abschlüsse erzielen,
  • neue Kunden gewinnen, die anschließend nie wiederkommen.

Die richtige Maßnahme hängt deshalb davon ab, an welcher Stelle im Prozess das Problem liegt.

Wer bereits viele qualifizierte Interessenten hat, braucht möglicherweise keinen weiteren Reichweitenkanal.

Wer dagegen kaum gefunden wird, sollte zunächst an Sichtbarkeit arbeiten.

Bevor in zusätzliche Vertriebskanäle investiert wird, sollte klar sein, an welcher Stelle im Prozess tatsächlich Kunden verloren gehen.

5. Umsatz ist nicht gleich Gewinn

Ein zusätzlicher Vertriebskanal kann den Umsatz erhöhen und trotzdem wirtschaftlich enttäuschend sein.

Entscheidend ist nicht nur, wie viele Fahrräder verkauft werden.

Auch die Kosten des jeweiligen Vertriebskanals müssen berücksichtigt werden.

Dazu können gehören:

  • Plattformgebühren
  • Verkaufsprovisionen
  • Cost-per-Click-Kosten
  • Werbekosten
  • Preisnachlässe
  • Zahlungsgebühren
  • Versandkosten
  • Retouren
  • Personalaufwand
  • Datenpflege
  • Bearbeitung von Kundenanfragen

Ein Kanal, der 100.000 Euro zusätzlichen Umsatz erzeugt, kann wirtschaftlich interessanter oder schlechter sein als ein Kanal mit deutlich weniger Umsatz.

Entscheidend ist letztlich, was nach allen relevanten Kosten übrig bleibt.

Die wichtige Frage lautet deshalb:

Kenne ich den tatsächlichen Deckungsbeitrag meiner einzelnen Vertriebskanäle?

Nicht jeder Sale ist gleich viel wert

Ein Verkauf über den eigenen Laden kann eine andere Wirtschaftlichkeit haben als ein Verkauf über einen Marktplatz oder eine bezahlte Werbeanzeige.

Das bedeutet nicht automatisch, dass ein bestimmter Kanal schlecht ist.

Ein Kanal mit geringerer Marge kann beispielsweise trotzdem sinnvoll sein, wenn er:

  • zusätzliche Lagerbestände abbaut,
  • neue Kunden bringt,
  • Folgegeschäft erzeugt,
  • die Reichweite erhöht,
  • Produkte verkauft, die sonst lange im Lager stehen würden.

Deshalb sollte der Erfolg eines Vertriebskanals nicht ausschließlich anhand des Umsatzes bewertet werden.

6. Was soll ein neuer Vertriebskanal eigentlich erreichen?

Bevor ein Fahrradhändler einen neuen Kanal nutzt, sollte möglichst klar definiert werden, welches Ziel damit verfolgt wird.

Ein zusätzlicher Vertriebskanal kann unterschiedliche Aufgaben haben.

Mehr Umsatz

Das offensichtlichste Ziel.

Der Kanal soll zusätzliche Verkäufe generieren.

Höhere Marge

Nicht jeder Kanal muss möglichst viel Umsatz erzeugen.

Ein kleinerer, aber profitabler Kundenstrom kann wirtschaftlich interessanter sein.

Lagerbestände reduzieren

Für bestimmte Fahrräder oder Auslaufmodelle kann ein zusätzlicher Vertriebskanal genutzt werden, um Reichweite für vorhandene Ware zu schaffen. Mehr dazu im Beitrag Lagerbestandsmanagement im Fahrradhandel.

Neue Kunden gewinnen

Ein Kunde, der erstmals über einen neuen Kanal auf den Händler aufmerksam wird, kann später auch weitere Produkte oder Dienstleistungen kaufen.

Kunden in das stationäre Geschäft bringen

Nicht jeder Online-Kanal muss den Verkauf direkt abschließen.

Ein Kanal kann auch dazu dienen, Interessenten in den Laden zu bringen.

Dort können Beratung, Probefahrt und weitere Verkäufe stattfinden.

Ein Vertriebskanal sollte deshalb danach bewertet werden, ob er das gewünschte Ziel erreicht – nicht nur danach, ob er möglichst viel Umsatz erzeugt.

7. Welche Ressourcen stehen für einen neuen Vertriebskanal zur Verfügung?

Ein weiterer Vertriebskanal bedeutet fast immer zusätzlichen Aufwand.

Fahrräder müssen eingestellt werden.

Preise müssen aktualisiert werden.

Verkaufte Produkte müssen entfernt werden.

Kundenanfragen müssen beantwortet werden.

Je nach Kanal können zusätzlich Versand, Zahlungsabwicklung oder Retouren hinzukommen.

Deshalb sollte vor dem Start geklärt werden:

  • Wer betreut den Vertriebskanal?
  • Wie viel Zeit steht dafür zur Verfügung?
  • Werden Angebote automatisch über ein Warenwirtschafts- oder Feed-System übertragen?
  • Wer bearbeitet Kundenanfragen?
  • Wer kontrolliert Preise und Verfügbarkeiten?
  • Wer wertet die Ergebnisse aus?

Die entscheidende Frage ist:

Soll der neue Vertriebskanal nebenher laufen – oder gibt es dafür tatsächlich Ressourcen?

Ein Vertriebskanal kann theoretisch attraktiv sein und trotzdem scheitern, wenn niemand ausreichend Zeit hat, ihn zu betreuen.

8. Haben Sie realistische Erwartungen?

Neue Kunden entstehen normalerweise nicht automatisch am ersten Tag.

Suchmaschinenoptimierung benötigt Zeit.

Social Media benötigt Reichweite und kontinuierliche Inhalte.

Suchmaschinen-Marketing muss getestet und optimiert werden.

Neue Marktplätze benötigen möglicherweise zunächst Reichweite und Anbieter, bevor ein relevantes Verkaufsvolumen entsteht.

Deshalb sollte vor dem Start eines neuen Vertriebskanals definiert werden:

  • Wie lange wird der Kanal getestet?
  • Wie viel Zeit darf investiert werden?
  • Welches Budget steht zur Verfügung?
  • Wie viele Anfragen oder Verkäufe wären ein realistisches Ergebnis?
  • Welche Kosten pro Neukunde sind akzeptabel?
  • Wann wird entschieden, ob der Kanal weitergeführt wird?

Ein strukturierter Test ist sinnvoller als die Erwartung, dass jeder neue Vertriebskanal sofort große zusätzliche Umsätze erzeugt.

9. Welche Vertriebskanäle können Fahrradhändler für neue Kunden nutzen?

Erst wenn Zielgruppe, Wettbewerb, Wirtschaftlichkeit und Ressourcen klarer sind, stellt sich die praktische Frage nach den möglichen Kanälen.

Je nach Geschäftsmodell können unter anderem folgende Möglichkeiten infrage kommen – von lokalen Kanälen bis zu neuen Vertriebswegen für Fahrradhändler.

Das eigene Fahrradgeschäft

Der stationäre Handel bleibt für viele Fahrradhändler ein wichtiger Vertriebskanal.

Neue Kunden können beispielsweise über lokale Sichtbarkeit, Empfehlungen, Veranstaltungen oder Kooperationen in das Geschäft kommen.

Besonders bei beratungsintensiven Produkten können Probefahrt und persönliche Beratung wichtige Argumente sein.

Lokale Auffindbarkeit und Local SEO

Für den klassischen Fahrradhandel ist lokale Sichtbarkeit oft der wichtigste Hebel, um neue Kunden zu gewinnen. Werkstatt, Probefahrt und der regionale Kundenstamm funktionieren nur, wenn Interessenten den Laden in ihrer Nähe überhaupt finden.

Viele Kunden suchen nicht nach einer bestimmten Marke, sondern nach einem Händler vor Ort – etwa nach „Fahrradladen [Stadt]“, „E-Bike-Werkstatt in der Nähe“ oder „Fahrradhändler [Ort]“.

Genau hier greift lokale Suchmaschinenoptimierung. Ein gepflegtes Unternehmensprofil bei Suchmaschinen und Kartendiensten entscheidet oft darüber, ob das eigene Geschäft in den lokalen Suchergebnissen erscheint – oder der Wettbewerber um die Ecke.

Sinnvolle Bausteine für Local SEO sind unter anderem:

  • ein vollständiges Unternehmensprofil mit einheitlichen Angaben zu Name, Adresse, Telefon und Öffnungszeiten,
  • aktuelle Fotos von Laden, Werkstatt und Sortiment,
  • passende Kategorien und eine klare Ortsangabe auf der eigenen Website,
  • Bewertungen und Antworten auf Kundenstimmen,
  • konsistente Kontaktdaten in Verzeichnissen, auf der Website und im Profil.

Die lokalen Stärken des Fahrradhandels – Beratung, Probefahrt und Werkstatt – greifen erst, wenn Kunden den Laden in der Suche finden. Wer lokal neue Kunden gewinnen will, sollte Local SEO deshalb nicht als Zusatz betrachten, sondern als Grundlage: bevor überregionale Marktplätze oder bezahlte Kampagnen greifen, muss das eigene Geschäft in der Region auffindbar sein.

Suchmaschinen und die eigene Website

Viele Kunden beginnen ihre Suche nach einem Fahrrad oder E-Bike online – nicht nur lokal, sondern auch nach Modell, Kategorie oder Preis.

Eine Website kann deshalb mehr sein als eine digitale Visitenkarte.

Aktuelle Angebote, konkrete Produktinformationen und eine gute Auffindbarkeit in Suchmaschinen können dazu beitragen, neue Interessenten zu erreichen.

Suchmaschinen-Marketing und bezahlte Werbung

Bezahlte Suchanzeigen oder Produktanzeigen können gezielt Nachfrage erreichen.

Entscheidend ist jedoch die Wirtschaftlichkeit.

Wenn der Klickpreis, die Conversion Rate und die erzielte Marge nicht zusammenpassen, kann zusätzlicher Umsatz schnell teuer werden.

Deshalb sollten solche Kanäle anhand konkreter Zahlen bewertet werden.

Allgemeine Marktplätze

Allgemeine Plattformen können eine hohe Reichweite bieten.

Gleichzeitig kann dort ein hoher Preisvergleich stattfinden.

Für Händler stellt sich deshalb die Frage, welche Produkte sich für einen solchen Kanal eignen und welche zusätzlichen Kosten entstehen.

Spezialisierte Fahrrad-Marktplätze

Spezialisierte Marktplätze können eine andere Zielgruppe ansprechen als allgemeine Plattformen.

Sie können insbesondere dann interessant sein, wenn gezielt Menschen erreicht werden sollen, die bereits konkret nach einem Fahrrad oder E-Bike suchen.

Auch hier sollten Händler prüfen:

  • Welche Kosten entstehen?
  • Wie hoch ist der zusätzliche Aufwand?
  • Welche Kunden werden erreicht?
  • Entstehen zusätzliche Umsätze oder werden nur bestehende Verkäufe auf einen anderen Kanal verlagert?

Social Media

Social Media kann zur Sichtbarkeit und Markenbildung beitragen.

Für einen lokalen Händler können insbesondere neue Produkte, besondere Fahrräder, Einblicke in die Werkstatt oder regionale Inhalte interessant sein.

Der Aufwand sollte jedoch realistisch eingeschätzt werden.

Ein Social-Media-Kanal benötigt Inhalte, Pflege und Zeit.

Bestandskunden und Empfehlungen

Neue Kunden müssen nicht immer über Werbung gewonnen werden.

Zufriedene Kunden können weitere Kunden empfehlen.

Auch bestehende Kunden können später erneut Fahrräder, Zubehör oder Werkstattleistungen benötigen.

Deshalb sollte Neukundengewinnung nicht vollständig von der bestehenden Kundenbasis getrennt betrachtet werden.

Werkstattkunden

Die Werkstatt kann ebenfalls ein wichtiger Kontaktpunkt sein.

Wer sein Fahrrad regelmäßig zu einem Händler bringt, kann später auch dort ein neues Fahrrad kaufen.

Umgekehrt können Fahrradkäufer langfristig zu Werkstattkunden werden.

Der Wert eines Neukunden kann deshalb höher sein als die Marge eines einzelnen Fahrradverkaufs.

Kaufgesuche und aktive Nachfrage

Bei klassischen Anzeigen stellt ein Händler zunächst ein Fahrrad ein und wartet darauf, dass ein Interessent darauf aufmerksam wird.

Ein anderer Ansatz besteht darin, zunächst die Nachfrage sichtbar zu machen.

Ein Käufer beschreibt beispielsweise in einem E-Bike-Kaufgesuch, welches Modell gesucht wird.

Händler können anschließend prüfen, ob sie ein passendes Angebot machen können.

Dieses Modell kann insbesondere für Händler interessant sein, die nicht nur zusätzliche Reichweite für vorhandene Angebote suchen, sondern gezielt auf konkrete Nachfrage reagieren möchten.

10. Nicht jeder neue Vertriebskanal muss alle Probleme lösen

Ein häufiger Fehler besteht darin, von einem neuen Kanal gleichzeitig alles zu erwarten:

  • mehr Umsatz,
  • mehr Marge,
  • neue Kunden,
  • höhere Reichweite,
  • weniger Lagerbestand.

In der Realität erfüllt ein Vertriebskanal möglicherweise nur eine oder zwei dieser Aufgaben besonders gut.

Deshalb kann es sinnvoll sein, verschiedene Kanäle unterschiedlich einzusetzen.

Nicht jedes Ziel braucht denselben Weg. Ein Kanal, der lokale Kunden in den Laden bringt, muss nicht derselbe sein, der Überbestände abbaut oder die Marke bekannter macht.

Lokale Neukunden
Menschen in der eigenen Region erreicht man oft über Local SEO, Suchmaschinen, die eigene Website und das stationäre Geschäft – also dort, wo Nachbarschaft, Beratung und Probefahrt zusammenkommen.
Überregionale Reichweite
Wer über den eigenen Einzugsbereich hinaus sichtbar werden möchte, kommt häufig über den Online-Shop und Marktplätze weiter.
Lagerabbau
Zusätzliche Vertriebskanäle und mehr Reichweite können helfen, stehende Ware schneller in Bewegung zu bringen, ohne das gesamte Geschäft umzubauen.
Langfristige Kundenbindung
Service, Werkstatt und die bestehende Kundschaft halten Kunden oft nachhaltiger als jeder neue Werbekanal.
Konkrete Kaufinteressenten
Produktsuche und Kaufgesuche erreichen Menschen, die bereits ein bestimmtes Fahrrad suchen – und nicht nur irgendwann einmal kaufen möchten.
Markenbekanntheit
Social Media und eigene Inhalte machen den Händler als Persönlichkeit sichtbar, nicht nur als Angebotsliste.

Welche Kombination sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Händler ab: vom Standort, vom Sortiment und davon, welche Zeit und welches Budget tatsächlich zur Verfügung stehen.

Neue Kunden gewinnen: Erst Strategie, dann Vertriebskanal

Die Frage nach dem richtigen Vertriebskanal sollte nicht am Anfang stehen.

Zunächst sollte ein Fahrradhändler wissen:

  1. Welche Kunden möchte ich gewinnen?
  2. Was wollen diese Kunden?
  3. Wie unterscheide ich mich vom Wettbewerb?
  4. Wo verliere ich heute Interessenten im Verkaufsprozess?
  5. Welche Umsätze und Margen erwarte ich?
  6. Was soll der neue Vertriebskanal konkret erreichen?
  7. Welche Ressourcen stehen für die Betreuung zur Verfügung?
  8. Wie lange bin ich bereit, den Kanal realistisch zu testen?

Erst danach lässt sich sinnvoll entscheiden, ob beispielsweise Suchmaschinen-Marketing, Social Media, ein zusätzlicher Marktplatz, der eigene Online-Shop oder ein anderer Vertriebsweg die richtige Wahl ist.

Fazit: Neue Kunden zu gewinnen ist mehr als eine Marketingfrage

Fahrradhändler haben heute zahlreiche Möglichkeiten, neue Kunden zu erreichen.

Gleichzeitig ist der Wettbewerb größer und die Preistransparenz höher geworden.

Deshalb reicht es nicht unbedingt aus, einfach auf möglichst vielen Plattformen präsent zu sein.

Entscheidend ist, welche Kunden gewonnen werden sollen, welchen wirtschaftlichen Wert diese Kunden haben und welche Aufgabe ein zusätzlicher Vertriebskanal erfüllen soll.

Mehr Umsatz ist nicht automatisch mehr Gewinn. Mehr Reichweite ist nicht automatisch mehr Kunden. Und ein zusätzlicher Vertriebskanal funktioniert nur dann dauerhaft, wenn er zum Geschäftsmodell, zur Zielgruppe und zu den vorhandenen Ressourcen passt.

Wer diese Fragen vor der Auswahl eines neuen Vertriebskanals beantwortet, kann gezielter entscheiden, wo sich Zeit und Geld tatsächlich lohnen.

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